Donnerstag, 28. Januar 2016

"und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne"

Es ist schon das x-te mal, dass ich einen Blog beginne. Es gibt wenig das so sehr verlockt, wie nochmal "neu" anzufangen. Ich liebe Anfänge. Ich fand es auch immer schon toll, an einen neuen Ort zu gehen (zum arbeiten, leben, ect.), weil man nochmal die Chance bekommt, sich neu zu erfinden. Ich stelle mir eben gerne die Zukunft in schillernden Farbtönen vor.
Am Ende bleibt man dann doch immer sich selbst. Nun, was ich mittlerweile erkannt habe: Man kann seine Zukunft nicht ändern. Es gibt nur die Gegenwart, und deswegen heisst es immer jetzt oder nie. Das hab ich übrigens von Hobbes gelernt:

Sache ist: Ich schreibe gerne, und manchmal gebe ich mich auch gerne der Illusion hin, dass jemand meine Worte lesen möchte. Nachdem ich einige Male als Teenager meinen damaligen Blog dazu benutzt habe, anderen Leuten pseudo-sublime Nachrichten zukommen zu lassen und danach auf facebook nicht so recht glücklich wurde (es gibt ja diese Studien, dass es einem besser geht, wenn man sich da abmeldet - seit ca. 9 Monaten bin ich jetzt facebookfrei und habe es nie vermisst), entschloss ich mich, bloss einen "minimalen" Blog zu führen, auf dem ich nebst Gedichten nur Texte veröffentlichte, die ich auch nach fünfmaligem Lesen noch wichtig fand. Seit den Teenager-Eskapaden bin ich nun etwa 10 Jahre an der Sonne (und im Schatten, mehrheitlich) gereift, und da facebook wegfällt, muss ich für meine gesunde Portion Narzissmus (öhm?) eine andere Plattform gestalten. Da stehst du jetzt grad drauf. Neben mir. Coucou. Willkommen!


Montag, 18. Januar 2016

Apfelkuchen

Irgendwie und irgendwann ist das Gerücht entstanden, dass ich Veganerin sei. Ich weiss nicht genau warum, vielleicht weil ich manchmal mit Menschen über vegane Rezepte rede, oder weil ich (fast?) ausschliesslich vegane Rezepte weitergebe.Ein schönes Gerücht, denn eigentlich wäre ich es ja gerne! In Wahrheit bin ich es eben nicht. Es gibt einfach noch einige Dinge, die ich nicht auf eine Art und Weise zu ersetzen weiss, dass es mir leicht genug fiele (und ich weiss - das ist bloss Faulheit! eigentlich). Eins von diesen Dingen war Pizza, aber ich habe kürzlich die Lösung gefunden. Da sie aber noch nicht genug fotogen aus dem Ofen gekommen ist, erst mal etwas anderes (zumindest formähnliches):
Apfelkuchen ist völlig easypeasy in veganer Variante. Und dabei meiner Meinung nach genau so fein wie das Eier-Original.



Im Grunde braucht es bloss drei Zutaten: Teig (den ich kaufe), Äpfel und Seidentofu. Der Seidentofu wird püriert mit etwas Zimt, Vanille und Ahornsirup, und ich mache dann meist noch ein paar gemahlene Mandeln dazu - das kann man nach belieben abändern (Zucker, Agavensirup, Zitronenschale oder was man gerne mag) und es schmeckt sowieso gut!


Dienstag, 24. November 2015

oben und unten und umgekehrt

Die Sache mit unserem Bildungssystem beschäftigt mich weiterhin. Es ist eben vieles verknüpft: Wenn ein Kind in der Schule an einen Mittelwert gebunden wird und sich bloss innerhalb dieses engen Tunnels bewegen darf, kommt es auf der anderen Seite raus und fügt sich in die geradlinige Bahn des Systems ein. Die innerliche Rebellion dagegen ist mit den Jahren einigermassen abtrainiert. Was man dann noch fühlt, ist, dass die Arbeit irgendwie nicht erfüllt, und auch kein Produkt aus der Werbung zum glücklichen Leben führt.
Wenn nun das erste Lebensquartal nicht damit verbracht würde, uns so sehr in die wirtschaftlich erwünschte Form zu pressen, gäbe es noch was anderes, nämlich, wie es Remo Largo formuliert, uns selbst zu finden – unser Potential zu entdecken und zu verwirklichen. Wenn dabei der enge Tunnel zur freien Wildbahn würde, wäre dieser Weg auch nicht so von Angst geprägt. Was ich sagen will: Ein Kind kann sein Potential als Schreiner verwirklichen, oder als Bäuerin, oder als Bankmanager, oder Ärztin, Jurist, oder als Floristin. Das Kind findet seinen Platz dort, wo es hingehört – nicht da, wo es die besten finanziellen Aussichten hat. Und wenn diese Potential-Entwicklung nicht so sehr von unserem System gebremst würde (indem eben möglichst ALLE Kinder nach möglichst weit „OBEN“ kommen sollen), würden wir vielleicht auch begreifen, dass oben und unten völlig falsch verteilt sind, und es ändern: oben ist, wo sich Potential entfalten kann. Vielleicht würde uns dann auch einfallen, dass wir als Gesellschaft unser System selbst in der Hand haben, und z.B. Geld und Status so verteilen können, wie wir es richtig finden.
Die ganze Geschichte interessiert mich vermutlich zum Teil, weil ich viel Zeit in diesem vielversprechenden Tunnel verbracht habe und am anderen Ende planlos und etwas verwirrt herausgestolpert bin. Konkret sehe ich, dass ich eine gute Schülerin war. Was heisst das? Dass ich unheimlich gut darin war, mich ans herrschende System anzupassen. Es heisst nicht, dass ich eine gute Lernerin war, und am wenigsten heisst es, dass ich herausgefunden habe, was ich bin. Im Gegenteil – ich vermute mittlerweile, dass diejenigen SchülerInnen, die in der Schule keine guten Noten schrieben, nicht immer, aber oft verstanden, dass die Noten nichts mit ihnen zu tun haben. Sie taten dann einfach das, was sie sowieso gerne tun und scherten sich nicht allzu sehr um Bewertungen. Ich denke, ich habe nun ein bisschen Glück, weil ich die gerade Strasse irgendwann so öde fand, dass ich nicht weiter wollte. Stattdessen habe ich mich erst mal dem ganzen Druck entzogen, „etwas zu werden“, und kapiert, dass die Existenzangst meiner meisten Mitmenschen (und meine eigene) ein blasses Gespenst ist. Ich kann so einfach überleben, und muss gar nirgends hin. Vielleicht kann ich jetzt anfangen, herauszufinden, was ich bin und was ich damit anfangen möchte. Und wenns dann noch ein paar Jahre dauert, braucht sich niemand zu wundern.
Für diejenigen, die's auch interessiert:
Verschenkte Vielfalt (Remo Largo und Claus Leggewie): Wann Leben und Lernen gelingen
Alphabet - Angst oder Liebe (Film)
R.D. Precht: Anna, die Schule und der Liebe Gott (Buch)
André Stern: Und ich war nie in der Schule (Buch)

Samstag, 1. August 2015

Menschliches

Die messbare Seite der Welt ist nicht die Welt; sie ist die messbare Seite der Welt. (Martin Seel)
Vor einiger Zeit habe ich einen Artikel über künstliche Intelligenz gelesen und davon, dass die Menschheit vielleicht kurz davor ist, eine Technologie zu erschaffen, die exponentiell schlauer wird, und uns dann urplötzlich in wunder- oder grausamer Weise überlegen ist.
Da stellt sich mir einmal mehr die Frage: was heisst das denn, intelligent zu sein? Das Instrument, das uns zur Verfügung steht, und zwar das einzige, ist unser komplett menschlicher Verstand. Alles, was wir tun, tun wir aus menschlicher Perspektive. Wir können es noch so sehr wollen, alles darüber hinaus bleibt uns verschlossen. Wir messen die Welt mit menschlichen Massstäben und wir beschreiben sie mit menschlichen Worten. Wir berechnen unsere Gesetzmässigkeiten mit menschlichen Formeln und denken unsere menschlichen Gedanken in unseren menschlichen Gehirnen. Also: eigentlich haben wir keine Ahnung, was eine nicht-menschliche Intelligenz sein könnte.
Ausserdem dachte ich ganz lange, dass die Geschichte eine lineare Sache ist, oder sich zumindest irgendwie von links nach rechts und von unten nach oben bewegt. Früher war alles schlechter, und heute ist alles besser. Wir sind nun die klügsten, schönsten und glücklichsten Lebewesen aller Zeiten. Irgendwann hab ich dann doch noch verstanden, dass das nicht so ganz stimmt. Die Geschichte ist nicht mal ein ordentlicher Zickzack oder eine schöne Wellenbewegung, sondern einfach ein wirres Gefüge aus unzusammenhängenden Schnörkeln.
Wir wissen ja, dass wir so vieles nicht wissen. Die Wissenschaft wirkte vor einigen Jahrhunderten auch unheimlich clever. Und trotzdem musste die Sonne dann irgendwann in der Mitte unseres Sonnensystems stehen bleiben. Wir wissen auch, dass unsere Wahrnehmung beschränkt ist. Wir sehen die Blumenwiese nicht wie eine Biene. Und trotzdem halten wir so sehr daran fest, dass wir nur glauben wollen, was uns bewiesen werden kann. Die Wissenschaft geniesst ihre akzeptierte Exklusivität. Alles was unser menschlicher Verstand nicht erfassen kann, ist eben schlicht nicht existent. Was uns fehlt, ist vielleicht ein bisschen Demut und ein offenes Herz.

Sonntag, 12. April 2015

+ Lohn, - Motivation

Seit einiger Zeit kreist ein Gedanke immer wieder durch meinen Kopf. Joshua Becker hat kürzlich einen Beitrag dazu verfasst: „If you wouldn't do it for free, don't do it for money“ (wenn du es nicht umsonst tun würdest, mach es nicht für Geld).
Das beschäftigt mich sowohl aus seiner Perspektive heraus, als auch von der psychologischen Seite her. In meinen kurzen Exkursionen in die Uni-Psychologie habe ich gelernt, dass unsere intrinsische Motivation sich von Geld (bzw. Belohnungen) sehr stark beeinflussen lässt – und zwar im negativen Sinne! Dazu gibt es unter anderem ein Experiment, in denen zwei Gruppen Kinder Bilder malen sollten. Die eine Gruppe erhielt danach eine Belohnung, die andere nicht. Als die beiden Gruppen später noch einmal eingeladen wurden, zeigte die zuvor belohnte Gruppe im Vergleich weniger Spass am Malen.
So: was das bedeutet, ist ja klar. Nun werde ich aber in meinem Leben für das meiste, was ich gerne tue, belohnt – in der Schule mit Noten, in der Arbeit mit Geld. Das Hobby zum Beruf zu machen ist also vielleicht keine so gute Idee.
Aber eigentlich sollte es doch nicht so sein! Ich kenne mich kaum aus mit wirtschaftlichen (und unwirtschaftlichen), sozialen und wasauchimmerdanochstehenmüsste Systemen (um hier klug zu erscheinen, müsste ich wieder googlen...). Deswegen ist meine Idee sicherlich auch überhaupt nicht realistisch – trotzdem:
was wäre, wenn unser Geld keinen Zusammenhang mit unserer Arbeit hätte? Im ersten Moment denke ich da: abstrus! Dann wäre jeder bloss faul und würd sich um nichts kümmern. Aber wenn wir nun unsere intrinsische Motivation nie verloren hätten?

Freitag, 10. April 2015

Delia

Ich sehne mich nach Einfachheit – und vielleicht ist das nur meine ganz persönliche Form von Kitsch.
Brian stürzte mit einem Flugzeug irgendwo in Kanada ab, lebte fortan in einer Höhle und pflückte Beeren. Delia floh in den wilden Westen um mit den Indianern zu leben. Ich plante mit 8 meinen eigenen Ausriss und spielte unterdessen Pocahontas am Wasserfall. Das waren meine Idole. In diesen Twittertweetfacebookwhatsappwelten in denen sich die Karrierefrauen meiner Generation spiegeln möchte ich gerne meine Hände ins Moos drücken und mich wundern wie weich es ist. Ich möchte ganz oben auf einer Birke im Wind schaukeln und dabei nicht mit der Wimper zucken. Sind das die falschen Ambitionen?

Donnerstag, 26. Februar 2015

ein unpolitischer Gedanke

Charlie Hebdo-
es ist nicht mehr ganz am Puls der Zeit, aber es beschäftigt mich doch immer noch: der Vorfall wird zur Heldentat, das Magazin zum Symbol für Pressefreiheit, die Autoren zu Idolen. Statt 8000 hat das Blatt nun 200 000 Abonnenten. Es ist ein Gänsehautspektakel...
und ich denke an die Menschen, die dabei gestorben sind, und die nicht sterben wollten. An ihre Familien, die nun ohne sie weiterleben müssen. Sie sind nicht bloss Symbole und Helden und Idole, sie sind in aller erster Linie Menschen, und dass sie getötet wurden, ist abscheulich. Sie hatten nicht die Absicht, für einen guten Zweck zu sterben. Die „Idealisierung“ des Ereignisses hat ein Fundament aus Leid und Schmerz. Ganz leise möchte ich einfach sagen: Für die Idee der Pressefreiheit und des Widerstands sollte kein Mensch geopfert werden. Auch nicht in unseren Köpfen.